Nachruf: |
Im Alter von 77 Jahren verstarb nach langer, schwerer Krankheit am 14.Dezember 1990 der
bekannte sudetendeutsche Steinkreuzforscher Dr. phil. Walter von Dreyhausen. Er wurde am Donnerstag, dem 20.Dezember 1990, um 10.30 Uhr auf dem Bonameser
Friedhof in Frankfurt/Main zu Grabe getragen. Dr. von Dreyhausens Standardwerk für die Flur- und Kleindenkmalforschung war zugleich seine Doktorarbeit: "Die alten
Steinkreuze in Böhmen und im Sudetenland", herausgegeben vom Sudetendeutschen Verlag Franz Kraus, Reichenberg/Leipzig 1940. Aus seinem Lebenslauf, der
freundlicherweise von der Witwe des Verstorbenen, Frau Maria von Dreyhausen, der Redaktion zugestellt wurde, ist unter anderem folgendes zu vernehmen: Walter von
Dreyhausen wurde am 25.Mai 1913 in Teplitz-Schönau, Sudetengau, als Sohn von Professor Oskar von Dreyhausen (staatlicher Büchereinstrukteur in Böhmen, damals
CSR) geboren. Nach Ablegung der Reifeprüfung am Deutschen Staatsrealgymnasium in Dux folgte die Ausbildung in der Staatlichen Bibliothekarschule in Prag von
1934-35, wo am 28.Juni 1935 die Staatsprüfung im Bibliothekswesen mit gutem Gesamterfolg abgelegt wurde. Danach erfolgte ein zweijähriges Praktikum an der
Zentralwanderbücherei für öffentliche Deutsche Gemeindebüchereien im Klementinum von Prag. Vom Wintersemester 1935/36 bis zum Schluß des Sommersemesters
1939 studierte Walter von Dreyhausen an der Deutschen Karlsuniversität zu Prag und unterzog sich dort am 24.Februar 1939 dem Hauptrigorosum, bestehend aus
deutsche Sprache, Literatur, Volkskunde und Geschichte sowie dem Nebenrigorosum (Philosophie). Am 25.März 1939 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Die
Doktorarbeit behandelte, wie oben bereits angeführt, die alten Steinkreuze von Böhmen und Sudetenland. Im Januar 1940 wurde Dr. Walter von Dreyhausen zur
Wehrmacht eingezogen; lehnte jede Beförderung zum Offizier ab und blieb noch nach fünfjähriger Dienstzeit Obergefreiter. Die Entlassung aus dem Wehrdienst erfolgte
krankheitshalber kurz vor Kriegsende. Von 1947 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1978 war er an der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main tätig. Nach seiner
Dienstzeit arbeitete von Dreyhausen mit großem Interesse an einer sudetendeutschen Bibliographie (Zusammenfassung der sudetendeutschen Autoren), die sich in einer
Buchhandlung in Wunsiedel befindet und sehr umfangreich ist. Er war jedoch nicht nur Volkskundler, sondern auch Lyriker. Er schrieb zahlreiche Gedichte, die u.a. in
dem Gedichtband "Aus Tag und Kampf" veröffentlicht wurden. Dreyhausens Novelle 'Katerina Torkin' erschien in den Kriegsjahren 1940-45 in drei Auflagen in
Millionenhöhe. Am 5.Dezember 1985 erlitt W.v. Dreyhausen einen Herzschlag und konnte sich daraufhin nie mehr richtig erholen. Die Todesursache am 15.Dezember
1990 war jedoch eine einseitige bakterielle Lungenentzündung, die einem geistig arbeitsreichen Leben ein Ende setzte.
Die Steinkreuzforschung hat diesem Mann sicherlich sehr viel zu verdanken. Sein Inventar der Kreuze des Sudetengaus und Böhmens
gewinnt durch die fallenden Grenzen wieder an Bedeutung. Ohne seine Vorarbeiten wäre eine Forschung in diesen ehemals deutschen Landstrichen praktisch unmöglich.
Die deutsche wie internationale Steinkreuzforschung wird diesem Mann stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Rainer H. Schmeissner
(Steinkreuzforschung, Mitteilungsblätter, Nr.3, 1991, S.35)
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