Deutschland Sachsen-Anhalt Lkr. Wittenberg

Pretzsch (I - III)
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Pretzsch I Pretzsch II Pretzsch III

Zustand 2005
Foto: Ache

Abbildung bei
Saal (1989)

PLZ: 06909

GPS: N 51° 43.008', O 12° 48.414'

Standort: Im Ort, in den Parkanlagen gegenüber dem Moorbadgebäude / Kurhotel.

Geschichte: Im Ort, in den Anlagen gegenüber dem Moorbadegebäude, und zwar im südöstlichen Teil des Parkes, östlich stehen die beiden schon länger im Kurpark stehenden Kreuze, westlich das Kreuz, das noch bis 1984 an der Pretzscher Gemarkungsgrenze mit Schmiedeberg (ehemals Splau, jetzt OT von Schmiedeberg) stand. Die beiden erstgenannten Kreuze standen ursprünglich an den Scheunen in der Nähe des jetzigen Standortes. Hier standen sie ursprünglich weiter auseinander. Im Kurpark sind sie nachweisbar mindestens dreimal umgesetzt worden. [...] Wegen des schlechten Erhaltungszustandes ist die Datierung schwierig, doch dürften alle drei Kreuze dem späten 15. bzw. dem beginnenden 16.Jahrhundert angehören, wobei die Form des bearbeiteten Fußes mehr auf das beginnende 16.Jahrhundert hinweist. (Saal 1989)

Sage:

Quellen und Literatur:
Saal, Walter - Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, 1989, S.43-44
recherchiert und bebildert von Robert Ache, Cottbus (Fotos von Juni 2005)
Ergänzungen und aktuelle Aufnahmen von Detlef Sommer, Wünsdorf (Fotos von Dezember 2008)



Pretzsch (I)
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Zustand 2005
Foto: Ache

Größe / Material: 71:25:30 / Sandstein

Geschichte: Das dritte Kreuz stand bis Dezember 1984 nahe dem Weg zum Gollmer (Weinberg), etwa einen Kilometer vom Bahnübergang am Bahnhof Pretzsch entfernt, etwa 27m von einer Robinie am Beginn des hier nach Süden führenden Grenzweges zwischen Pretzsch und Splau entfernt. Das von der Gemarkungsgrenze in den Park umgesetzte, jetzt westliche Kreuz dürfte ursprünglich ebenfalls ein parallelkantiges lateinisches Kreuz gewesen sein. Es ist stark beschädigt und verwittert. Der östliche Arm ist innerhalb der letzten 30 Jahre verlorengegangen, auch der westliche Arm fehlt größtenteils. Der Kopf zeigt ebenfalls Schäden, auf ihm befindet sich eine Kerbe, die wohl die Gemarkungsgrenze anzeigte. Das stark beschädigte Kreuz hat leider vor der Umsetzung weitere Schäden durch landwirtschaftliche Großgeräte erhalten. Sandstein. 71cm:25cm:30cm. Der Fuß ist nahe seiner Sohle 57cmx37cm groß, und das ausgegrabene Kreuz ist 1,15m hoch. (Saal 1989)

Sage: Von dem dritten Kreuz ist keine Sage bekannt, konnte auch bei der Erstaufnahme nicht erfragt werden. Nach Hinneburg (1933) soll es 1892 noch am eigentlichen Weg nach dem Gollmer gestanden haben. (Saal 1989)

Quellen und Literatur:
Hinneburg, P. - Die alten Steinkreuze am Wege, in: Glaube und Heimat. Kalender für den Kirchenkreis Wittenberg, 1933, S.143-144
Saal, Walter - Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, 1989, S.43-44



Pretzsch (II)
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Zustand 2005
Foto: Ache

Größe / Material: 86:41:20 / Sandstein

Geschichte: Das vom Parkweg entferntere Kreuz ist ebenfalls ein parallelkantiges lateinisches Kreuz, besitzt einen gerundeten Kopf und ebensolche Arme. Auch hier verbreitert sich der Schaft über dem pyramidenstumpfförmig ansetzenden Fuß, der wie beim ersten Kreuz in einem Quader endet. Der benutzte, vermutlich örtlich anstehende weiche Sandstein trägt starke Verwitterungsspuren. Sandstein. 86cm:41cm:20cm. Der Fuß ist 49cmx36cm groß. Die Gesamthöhe des Kreuzes beträgt 1,20m. (Saal 1989)

Sage: Von den beiden schon ursprünglich am Moorbad stehenden Kreuzen wurde 1949 erzählt, daß hier um 1200 französische Ritter nach dem Schloß reiten wollten, jedoch unterwegs im Moor stecken blieben und versanken.
Nach einer weiteren Sage sollen hier zwei Ritter miteinander gekämpft und sich gegenseitig umgebracht haben. Andere wieder erzählen von zwei Offizieren aus der Franzosenzeit. Nach einer weiteren Pretzscher Erzählung soll August der Starke befohlen haben, seine Gemahlin zu vergiften. Für den Plan war die Zofe der Königin gewonnen worden. Da August aber anderen Sinnes wurde und ihn dieser Plan reute, beauftragte er zwei Ritter mit der Verhinderung der Tat. Diese zwei ritten auf dem Wege zur Zofe über die sumpfige Wiese und versanken hier mit ihren Pferden. Im Pretzscher Kirchenbuch wird schon 1598 auf diese Steine hingewiesen, da am 20.September ein Reiter "bei dem Kreuz gegen die Scheunen über" begraben worden sei. Nach einer Nachricht aus der Zeit um 1820 sollen es früher (vor 1800?) sogar drei Kreuze gewesen sein, die einen Betplatz bezeichneten.

Quellen und Literatur:
Saal, Walter - Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, 1989, S.43-44



Pretzsch (III)
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Zustand 2005
Foto: Ache

Größe / Material: 83:40:21 / Sandstein

Geschichte: Das dem Parkweg am nächsten stehende Kreuz im Ostteil der Gruppe ist ein parallelkantiges lateinisches Kreuz mit sich gering verbreiterndem Schaft. Das Kreuz ist leicht nach Norden geneigt. Die Verbreiterung des Schaftes setzt einseitig unter den Armen an, während auf der Gegenseite der Schaft anfänglich senkrecht nach unten verläuft, sich aber dann stärker als auf der Gegenseite verbreitert. Am Ende des Schaftes erreicht der Fuß die Breite der Kreuzarme. Der nördliche Arm ist stärker, der südliche Arm geringer abgeschlagen, aber auch die Verwitterungsschäden sind erheblich. Der Kopf hat eine nahezu ebene Oberfläche. Der quaderförmige Fuß ist gegenüber dem Schaft wesentlich breiter und stärker. Sandstein. 83cm:40cm:21cm. Der Fuß ist mindestens 48cmx32cm groß. Das ausgegrabene Kreuz ist 1,17m hoch. (Saal 1989)

Sage: 1. Um 1200 sollen hier französische Ritter, die zum Schloß reiten wollten, im Moor steckengeblieben und versunken sein.
2. Hier sollen zwei Ritter miteinander gekämpft und sich gegenseitig umgebracht haben.
3. Hier sollen zwei Offiziere aus der Franzosenzeit miteinander gekämpft und sich gegenseitig umgebracht haben.
4. August der Starke soll befohlen haben, seine Frau zu vergiften. Für den Plan war die Zofe der Königin gewonnen worden. Weil August aber andern Sinnes wurde und ihn der Plan reute, beauftragte er zwei Ritter mit der Verhinderung der Tat. Diese ritten auf dem Weg zur Zofe über eine sumpfige Wiese und versanken hier mit ihren Pferden.

Quellen und Literatur:
Saal, Walter - Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, 1989, S.43-44


Sühnekreuze & Mordsteine