Österreich Niederösterreich Bezirk Krems-Land

Straß im Straßertale


Detail der
Schwert-Einzeichnung

Erläuterungstafel

Abbildung bei
Hula (1948)

PLZ: A-3491

GPS: N 48° 28,504', O 15° 44,314'

Standort: Etwa 150 Meter nördlich der Weinviertelstraße (L 43) in der "Placher Kellergasse", neben dem Haus Nr.221.

Größe / Material: 380:62:62 / Gneis (?)

Geschichte: Benennung: "Gerichtskreuz". Ursprünglich war der Bildstock mit Tabernakel. Hulas Abbildung (1948) zeigt einen Torso, wie er von 1920-1979 dastand. Erst durch die Renovierung 1979 wurde der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt.

Das Schwert- oder Gerichtskreuz ist sicherlich eines der ältesten datierten Flurkreuze Niederösterreichs. Es wurde als Erinnerung an die Ermordung von Paul Vasmann. Der ursprüngliche Standort war etwa 350 m weiter nördlich in einem Hohlweg. In den Jahren um 1920 stützte es in den Fahrweg. Hiebei wurde der Tabernakel beschädigt. Bis 1979 stand es ohne Tabernakel am alten Standplatz. 1979 wurde der Tabernakel von Josef Schreibbauer erneuert, restauriert und am gegenwärtigen Standort aufgestellt.
Es handelt sich hier um ein "echtes Marterl" am (vermutlichen) Ort einer Bluttat. Die im vorliegenden Fall funktionell besonders wichtige Inschrift lautet: Anno Domini MCCCCLXXXIXjar ist gestorben worden Paul Wasman am Sand Steffans abend dem Got gnedig sey ... das hat ... der Jorig Smoll ...
Die Datierung ist somit 1489! Die Formulierung "gestorben worden" deutet auf Mord hin. Die bildliche Auszier mit Schwert und Beilen könnte aber auch dazu verleiten, an eine "Falltor-Säule" zu denken. Diese Säulen gehören in den Bereich der Rechtsvolkskunde und waren immer an Ortseingängen zu finden. An diesen Stellen waren die Verkehrswege durch ein Falltor abgesperrt. Diese Vorrichtung war aber eher nicht wegen feindlicher Überfälle vorhanden, sondern wegen der Weidetiere. Beim Falltor war der Ortsbereich zu Ende und daher rechtsvolkskundlich bedeutsam. Daher lautet der Zweitname für den Bildstock Gerichtskreuz. (strassertal.at)

Bmkw. spätgot. Tabernakelbildstock, Gerichtskreuz, nordl. des Ortes in der Kellergasse, bez. 1489, urspr. Standort ca. 350m nordl. im Hohlweg; Vierkantpfeiler in der Mitte durch Abfasung 8seitig mit Würfelbasis und unterkehlter Deckplatte, Quaderaufsatz mit seichten Spitzbogennischen und Steinkreuz, nach Beschädigung 1979 erneuert. Entlang eines reliefierten, auf der Spitze stehenden Schwertes in got. Minuskel: "Anno domini MCCCCLXXXIX jar ist gestorben worden Paul Vasmann..."; seltenes Beispiel eines spätgot. Gerichtskreuzes in Niederosterreich. (DEHIO 2003)

   Gerichtskreuz: Das schöne Schwertkreuz in Straß i.Str., N.-Ö., mit eingemeißwltem Schwert. (Hula 1948)

Forscher-Wiki - Steinkreuze auf hohem Sockel

Sage:

Quellen und Literatur:
Hula, Franz - Die Bildstöcke, Lichtsäulen und Totenleuchten Österreichs, 1948, S.38 und Abb. 5/21
DEHIO - Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich - nördlich der Donau, Topografisches Denkmälerinventar herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, 2003, S.1151
Der Bildstockwanderweg Straß, Nr.12 Schwertkreuz
recherchiert und bebildert von Harald Hartmann, Klosterneuburg (Fotos vom 5.10.2008)


Sühnekreuze & Mordsteine