Deutschland Thüringen Lkr. Eichsfeld

Heilbad Heiligenstadt (I)


Blick zum Standort

Erläuterungstrafel

PLZ: 37308

GPS: N 51° 21.090', O 10° 8.010'

Standort: Im Stadtwald, an der Straße von Heiligenstadt nach Bernterode. Etwa 1km vor dem Forsthaus auf der rechten Seite vor einer mächtigen Eiche.

Größe / Material: ca.300cm hoch / Holz

Geschichte: Das etwa 3m hohe Holzkreuz steht auf einem ebenfalls aus Holz gefertigtem etwa 80cm breitem und etwa gleich hohem Sockel. Die Enden des Kopfes und der Arme sind jeweils abgerundet. In der Mitte des im dunklen Braunton gehaltenen Kreuzes ist erhaben ein weiteres, weiß abgesetztes Kreuz, aufgebracht mit einer ca. Länge von 1m und ca. 90cm Breite. Das als "Schwarzes" oder auch "Schwedenkreuz" benannte Kreuz soll, wie ein daneben aufgestelltes Schild mitteilt, an im 30.-jährigen Krieg ums Leben gekommene Soldaten erinnern. Die Eiche sowie das davor stehende Kreuz befinden sich auf einem ca. 10m breitem und etwa 1m hohem Hügel. Es ist auch denkbar, was allerdings erst Grabungen nachweisen könnten, dass es sich bei diesem Hügel um einen vorgeschichtlichen Grabhügel handeln könnte. In einer Veröffentlichung der Friedrich-Schiller-Universität Jena Philosophische Fakultät ist u.a. dazu zu lesen:
   127 Südlich der Stadt. An der Straße nach Kalteneber. Gleichbedeutend mit "Schwedenkreuz". 1870 Das schwarze Kreuz (MTB 2669), 19.Jh. Am Schwarzen Kreuz (WWK), 1903 "des schwarzen Kreuzes" (WK 1002), 1934 am Schwarze(n) Kreuz (FlNS), o.J. Schwarzes Kreuz (Stadtplan). Indirekte Lagebezeichnung zu einem Kreuz als Geländemerkmal. An der Landstraße befindet sich auf einem kleinen aufgeworfenen Hügel ein schwarzes Holzkreuz. Dieses Kreuz wird Schwarzes Kreuz oder auch Schwedenkreuz genannt. Die Heiligenstädter kennen zu der Stelle folgendes Sprüchlein: "Wenn du dreimal ums Schwedenkreuz gehst, hast du kein Hemd mehr an." Vor allem Kinder wollen den Wahrheitsgehalt selbst überprüfen und stellen fest, dass sie nach dreimaligem Umrunden des Kreuzes wirklich kein Hemd mehr tragen, aber auch keines weniger. Schwedenkirchof Flur 12. Südlich der Stadt. Waldstück im Heiligenstädter Stadtforst an der Straße nach Kalteneber. Heute Buchenmischwald. 1805 die Holzwiesen und der Schwedenkirchhof (Grenzprot. Bl.40v), 1856 Der schwedische Kirchhof (Waldmann S.31), 19.Jh. Schwedenkirchhof (WWK), 1903 Schwedenkirchhof (WK S.906) 1934 Schwedenkirchhof (FlNS), o.J. Schwedenkirchhof (FlNS Müller). Im amtlichen Namen Schwedenkirchof [sic!] liegt eine Verschreibung vor. Im GW liegt Kirchhof vor, was für einen Friedhof oder eine Begräbnisstätte steht. Das BW Schweden bezeichnet die dort Bestatteten. Die Bezeichnung Schwedenkirchhof bezieht sich auf die Begräbnisstelle schwedischer Soldaten aus dem Dreißigjährigen Krieg. Im Jahre 1632 wurden dort nach einem Gefecht mit kaiserlichen Reitern die erschlagenen Soldaten einer schwedischen Kompanie unter Graf Löwenstein bestattet.
   652 "Es wird erzählt, der Name stamme von einer Niederlage her, welche eine Abtheilung Schweden im dreißigjährigen Kriege hier erlitten hätte. Auch soll in dieser Gegend einmal beim Fällen eines Baumes ein geharnischtes Skelett gefunden worden sein.“
   653 Auf dem Gelände wurde auch eine Siedlung vermutet, was sich aber nicht bestätigte. Die Unebenheiten des Geländes sind nicht auf eine Wüstung, sondern auf ehemalige Steinbrüche zurückzuführen.

Sage:

Quellen und Literatur:
Tobias Rohner - Die Mikrotoponyme der Gemarkung Heiligenstadt, Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien im Fach Deutsch, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Philosophische Fakultät, Institut für Germanistische Sprachwissenschaft
recherchiert und bebildert von Jost Häffner, Erfurt (Fotos von Mai 2008)



Heilbad Heiligenstadt (II)


die Inschriften

GPS: N 51° 22,165', O 10° 8,191'

Standort: Am I-Berghaus.

Größe / Material: Sandstein

Geschichte: Südlich der Stadt Heilbad Heiligenstadt erhebt sich der bis zu 476m ansteigenden Stadtwald, der an seiner nördlichen Seite seinen Abschluss in dem 453m hohen I-Berg findet. Nach ihm wurde auch eine ca 500m weiter abwärts befindliche Gaststätte, eine beliebter Ausflugsort der Heiligstädter, benannt. Unmittelbar am Weg aus der Stadt zu ihr findet man auf der rechten Seite einen ca. 2,50m hohen Gedenkstein. Seine quadratische Gestalt verjüngt sich in mehren Abschnitten nach oben und findet in einer bekrönenden Kugel seinen Abschluss. Zu mindesten die sichtbaren Außenseiten wurden aus Sandstein gefertigt. Auf den 3 der vom Wege sichtbaren Seiten findet man nachfolgende Inschriften
War Gründer
dieser Anlage
Im Jahre
1825
Hier
verunglückte
Joh. Weinrich
Erfinder des
Psalm Melodicon
Geb.d.15.März
1793
gest.d.15.Oktob.
1855
Diese Inschrift veranlasst den heutigen Betrachter insofern zu einigen Fragen da weder die Erfindung sofort verständlich, als auch über die Todesursache nichts zu entnehmen ist. Bei Recherchen zur Person sowie der Unglücksursache war Näheres in einer Abhandlung von Jörg Kampa, veröffentlicht auf der Internetseite des Vereins brandenburgischer Ingenieure und Wirtschaftler e.V., zu erfahren Auszugsweise sei hier zur Person und dem Geschehen ein Abriß wieder gegeben.
Joh. Weinrich geb. am 15.03.1793 in Uder/Eichsfeld erlernte einen Handwerksberuf der ihm erlaubte nach seiner Wanderschaft in Heiligenstadt eine Schuhmacherwerkstatt zu betreiben. Er muß musikalisch sehr begabt gewesen sein, da er nicht nur selbständig das Flötenspiel erlernte sondern darüber hinaus auch eigene Musikinstrumente entwickelte. Eines davon ist das Psalm Melodicon (eine Art Klarinette). Da er selbst komponierte und auch Konzertreisen unternahm muß es sich um einen damals nicht unbekannten Künstler gehandelt haben. Sein Bekanntheitsgrad veranlasste König Friedrich Wilhelm III. dieses Melodicon kostenfrei patentieren zu lassen. Dies brachte in wirtschaftlich in die Lage oberhalb von Heiligenstadt ein Grundstück zu erwerben, welches er parkartig gestalten lies. Darüber hinaus errichtete er die heute noch bestehende Gaststätte Iberg-Haus. Es muß ihm Freude bereitet haben gelegentlich mit einer Kanone Böllerschüsse abgegeben zu haben. Zum Geburtstag des Königs am 15.10.1855 ereignete sich dabei der bedauernswerte Unglücksfall, dass die Kanone zersprang. Durch die umher fliegenden Teile wurde er tödlich verletzt. Ihm zur Erinnerung wurde von Zeitgenossen dieses Denkmal errichtet.

Sage:

Quellen und Literatur:
recherchiert und bebildert von Jost Häffner, Erfurt (Fotos von April 2009)


Sühnekreuze & Mordsteine