Deutschland Bayern Lkr. Miltenberg

Kirchzell (I)


Abbildung bei
Bormuth (1997)

PLZ: 63931

GPS: N 49° 37,667', O 9° 08,906'

Standort: Beim alten Kirchenweg von Watterbach nach Kirchzell, an einem nach Norden abbiegenden Weg.

Größe / Material: 87:46:11 / Sandstein

Geschichte: Im Balkenschnittpunkt ist ein ovales Zeichen eingerillt, das Rätsel aufgibt, zumal Max Walter das Kreuz als zeichenlos beschrieben hat. Riebeling beschreibt das Zeichen als herzförmig.

Sage: 1. Am Einarm ist ein Bauer verunglückt und hat einen Arm verloren.
2. Varianten: Ein Knecht, der von seinem Bauern schikaniert wurde, soll diesem mit dem Degen den Arm abgeschlagen haben.
3. Ein Soldat schlug einem Bauern, der dort pflügte, den Arm ab
4. Ein Bauer habe seinem Knecht im Streit wegen seiner liederlichen Arbeit den Arm abgeschlagen. Teilweise wurde erzählt, der Arm wurde vom Bauern auf dem Acker untergepflügt.
5. Der Knecht eines Bauern kam nach dem Krieg als Offizier zurück auf den Hof und schlug dem Bauern, der Ihn früher ausgenutzt hatte, den Arm ab.

Quellen und Literatur:
Riebeling, Heinrich - Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen, 1977, Nr.6320.8
Walter, Max - Vom Steinkreuz zum Bildstock, 1923
Bormuth u.a. - Steinkreuze im bayerischen Odenwald, 1997, S.487 (mit Abb.)
recherchiert und bebildert von Rudolf Wild, Annweiler-Queichhambach



Kirchzell (II)


Blutbild und
Müllerzeichen

Sockel und
altes Gehäuse

Tusche-Zeichnung
von Günther Pschiebl
VÖ bei Walter (1971)

Abbildung bei
Güterbock (1970)

GPS: N 49° 37,521', O 9° 09,279'

Standort: An der Einmündung des Watterbacher Kirchenpfades in den Ortelsgraben.

Größe / Material: 2,30m hoch, Umfang der Säule 61cm / Sandstein

Geschichte: Benennung: "Rotes Bild". Das Kreuz zeigt am Aufsatz das bekannte Walldürner Blutbild, das darstellt, wie nach dem Aufwischen des verschütteten Abendmahlsweins auf dem Tuch die Umrisse Jesu und seiner Jünger sichtbar wurden. Darunter sind zwei Lanzenspitzen und der Stab mit dem Essigschwamm dargestellt, ein Symbol für die Leiden Jesu. Darunter ein Mühlrad mit der Schärfbille (oder einer Haue) als Berufszeichen des Müllers. An der Säule steht die Inschrift
HANS MAR
TN WALTER
SCHRAMÖlLer
HAT DISES
BILT AUF
RIGDEN
[lassen] ZV DER
EHR GOTES
1746
Am Sockel ist ein erhabenes Kreuz dargestellt, rechts daneben steht ein altes Gehäuse (auf älteren Abbildungen steht dieses Gehäuse links).

Bildstock "Rotes Bild". Der Bildstock steht im Ortelsgraben und wurde 1747 von dem ehemaligen Schrahmüller Johann Martin Walter errichtet. J.F. Bardroff berichtet von einer Sage in einem Gedicht: Walter soll ein berüchtigter Wilddieb gewesen sein und an einem Fronleichnamstag an der Stelle, wo jetzt der Bildstock steht, beinahe seinen Sohn, den er für einen Hirsch im Gebüsch gehalten hat, erschossen haben. Der Bildstock ist wohl ein Werkstück eines Nachkommens der Steinhauerfamilie Canet, die 1663, also nach dem Dreißigjährigen Krieg, mit Bartholomäus Canet aus dem Mailändischen in Italien zugezogen ist. (Walter 1971)

Sage: Das Bild hat die Phantasie der Verübergehenden angeregt; das verwitterte Blutbild wurde als Hirschgeweih interpretiert, und es entstand eine Wilderersage:
Der Schrahmüller sei ein arger Wilderer gewesen, der sich nicht scheute, sogar an hohen Feiertagen während des Gottesdienstes auf die Pirsch zu gehen, weil er dann den Klosterjäger in der Kirche wußte. Einstmals hatte er einen starken Hirsch ausgemacht, dem er am Ostermorgen im Ortelsgraben auflauerte. Der Hirsch, schon mit kräftigen Ansätzen zum jungen Geweih, trat aus dem Wald, der Schrahmüller legte an – da trat ihn der Warnruf seines Sohnes, der ihm nachgeeilt war, um ihn vom Wildern abzuhalten. Natürlich sprang der Hirsch ab, und im Zorn über die vergrämte Beute legte der wütende Wilderer auf den eigenen Sohn an und drückte ab – allein der Schuß versagte! Voller Entsetzen erkannte Walter, wohin Leidenschaft einen Menschen treiben kann, entsagte dem Wildern und ließ zum Dank für Gottes Führung einen Bildstock errichten.
Eine Variante der Sage rückt die Erzählung in die Nähe der Hubertussage: "Walter hebt die Büchse zu Schuß – da klingt von Kirchzell herüber das Wandlungsglöckchen – und zum Entsetzen des Wilderers erscheint zwischen auf dem Kopf des Hirsches zwischen den Geweihstangen ein goldenes Kreuz [...]" (Güterbock 1970)

Quellen und Literatur:
Güterbock, Gotthilde - Die Schrahmüller-Bildstöcke, in: Der Odenwald, 17.Jg., 1970, H.1, S.13-18
Walter, Max - Kirchzell - Ein Beitrag zur Geschichte einer Marktgemeinde im bayerischen Odenwald, Hrg. vom Gemeinderat Kirchzell im Jubiläumsjahr 1971 (700-Jahr-Feier), S.51 / 140, mit Abb.5
recherchiert und bebildert von Rudolf Wild, Annweiler-Queichhambach
Ergänzungen von Leopold Hessek, Oedheim


Sühnekreuze & Mordsteine