Deutschland Bayern Lkr. Lichtenfels

Burgkunstadt (I / II)
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Burgkunstadt I Burgkunstadt II

PLZ: 96224

GPS: N 50° 8,416', O 11° 15,425'

Standort: Am Ortsausgang Richtung Kirchlein, an der Kreuzung "Kirchleiner-Straße" / "Pennt".

Geschichte:

Sage:

Quellen und Literatur:
recherchiert und bebildert von Erich Sauer, Strullendorf (Fotos vom 9.08.2009)



Burgkunstadt (I)
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Abbildung bei
Streng (1987)

Abbildung bei
Müller (1980)

Abbildung bei
Wittmann (1933)

Zeichnung bei
Rottler (1920)

Größe / Material: 205:74:20 / Sandstein

Geschichte: Benennung: "Schwedenstein". Früherer Standort in 10m Entfernung um die Ecke am Hohlweg (heute) "Pennt". Schmaler hoher Stein mit lat. Kreuz auf Bogensockel, neben den Kreuz eine Lanze. Die Rückseite ist leer. An der linken Seite Einschürfungen.

In Burgkunstadt, Richtung Kirchlein am "Schindgraben". Früherer Standort in 10m Entfernung am Hohlweg um die Ecke. Nach dem Heimatforscher Will (Heimatblatt 1941) soll er ein Grabstein schwedischer Söldner gewesen sein, die während des Einfalles in Burgkunstadt am 25.10.1632 ums Leben kamen. Müller vermutet, daß der Stein von der Formgebung noch gotisch ist und somit um 1400 datiert werden kann. Die Felder hinter dem Stein heißen "Kriegsäcker". Dieser Flurname läßt sich bereits vor dem 30jährigen Krieg nachweisen. In der Ebnether Urkunde Nr.13 vom Jahre 1404 wird vom Totschlag an Fritz Marschalk zu Ebneth berichtet. Formgebung, Standort und Attribute sprechen dafür, daß der Stein als Sühnestein angesehen werden kann. (Streng 1987)

III. Der sog. Schwedenstein zu Burgkunstadt
Der Name Schwedenstein stammt von dem Burgkunstadter Heimatforscher Gg. Will. Nach ihm soll er ein Grabstein für schwedische Söldner sein, die während des Einfalls in Burgkunstadt im Jahre 1632, am 25.X., ums Leben gekommen sind (Gg. Will, Das Geheimnis um die Martern bei Burgkunstadt, Heimatbl. 1941.)
Schon der Augenschein beweist, daß dieser Kreuzstein schon von der Form her lange Zeit vor dem 30jährigen Krieg aufgestellt worden sein muß. Mit dem Schwedenkrieg kann er sicherlich nicht in Zusammenhang gebracht werden. Der Formgebung nach ist er bestimmt noch gotisch und muß somit in die Zeit um 1400 datiert werden.
Der besagte Kreuzstein steht heute in Burgkunstadt an der Straße nach Kirchlein, unweit der Realschule. Die Felder hinter diesem Stein und der noch dabei stehenden Armensündermarter (Gg. Will) heißen heute noch die Kriegsäcker (Pl.-Nr. 1356 der Kriegsackerweg). PL-Nr.1336, 1339, 1333 Kriegsacker; Pl.-Nr.1333 1/2, 1334, 1335, 1336 Kriegsäckerlein. Übrigens läßt sich dieser Flurname längst vor dem 30jährigen Krieg nachweisen. Es ist zu vermuten und es besteht ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit, daß der Kreuzstein mit der Flurbezeichnung Kriegsäcker in einem Zusammenhang steht. Der alte Standort des Kreuzsteines war in etwa 10m Entfernung vom heutigen Standort um die Ecke am Hohlweg (Kriegsackerweg), der in die Stadtfichte und weiter zur Burg Wildenberg führt und daher auch Wildenberger Gasse heißt.
Totschlag unter Verwandten
In der Ebnether Urkunde Nr.13 vom Jahre 1404 wird uns der Totschlag an einem Fritz Marschalk von Ebneth, wahrscheinlich zu Wildenberg gesessen, überliefert. Nach gleicher Urkunde bestand vor 1404 zwischen den Brüdern Jörg, Kunemund und Dietz Marschalk zu Ebneth einerseits und ihren Vettern Heinz und Fritz Marschalk zu Ebneth, Brüder, andererseits, wegen Erbstreitigkeiten Krieg, Fehde und Zweiung. Bei den Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Vettern und ihren Dienern und Helfern wurde Fritz Marschalk von Ebneth getötet. Wie es im einzelnen dazu kam, wird leider nicht berichtet.
Nach der angeführten Urkunde wird die Entleibung des Fritz Marschalk von Jürge von Schaumberg, gesessen zu Mitwitz, wie es heißt, geteidingt, was soviel wie in einer "Gerichtsverhandlung erledigt", bedeutet. Das mittelhochdeutsche Wort taidinc, tagedinc, meint "Gerichtsverhandlung". Die Urkunde selbst ist mit zwei anhangenden Siegeln derer von Schaumberg und fünf der Marschalk zu Ebneth beglaubigt und bestätigt.
Aus dem Totschlag an Fritz Marschalk von Ebneth vor 1404 kann ebenfalls auf einen Zusammenhang mit dem Kreuzstein an dem alten Kriegsackerweg geschlossen werden. Auf der Südseite der Sandsteinplatte ist ein Sockelbogenkreuz eingerillt und hart daneben eine Lanze, besser vielleicht aufgrund einer Art Stulpe oder Haken, eine Turnierlanze in der gleichen Manier geritzt. Wie wir oben erfahren haben, war bei dem wegen des Totschlags an Maximilian Thannhauser zu setzenden Sühnestein am Tatort auch die Abbildung des Wappens der Thannhauser auferlegt worden. Wäre hier bei der Entleibung des Fritz Marschalk von 1404 in der gleichen Weise verfahren worden, so hätte das Wappen der Marschalk von Ebneth in den Stein gehauen werden müssen. Nun tragen in diesem Fall der oder die Totschläger und auch der Erschlagene das gleiche Geschlechtswappen, und darüber hinaus führen auch die mit den Marschalk verwandten Familien: die von Kunstat, die Marschalk von Kunstat und die von Redwitz, das gleiche Wappen und Schild, nämlich einen weißblau geteilten Schild und einen roten Schrägstrom von rechts nach links. Das Wappen der Marschalk zu Ebneth auf dem Sühnestein, also auf dem Gedenkstein eines Erschlagenen, hätte für die Gesamtfamilie der Marschalk und ihrer Adelssippe zweifellos einen sichtbaren Schandfleck bedeutet. Es ist daher nicht von der Hand zu weisen, daß die auf dem Kreuzstein abgebildete Lanze in diesem Falle die Funktion eines Wappenersatzes erfüllt hat.
Gg. Will nennt nun unseren Kreuzstein nicht nur einen Schwedenstein, sondern auch einen Zentgerichtsstein [Beschreibung der Wanderwege und heimatkundliche Beiträge, Bezirksschulamt Lichtenfels (1958), S.9]. Als Beweis für seine Annahme behauptet er, daß der Kreuzstein früher auf dem Wolfsberg gestanden habe. Der Wolfsberg sei die Richtstätte des Burgkunstadter Zentgerichtes gewesen. Den Beweis für diese Behauptungen blieb er allerdings schuldig.
Es ist m.W. kein Fall bekannt, daß Zentsteine Gerichtsplätze bezeichnet hätten. Am Dorfeingang von Ebneth, unmittelbar am Kriegerdenkmal, steht ein urkundlich nachgewiesener Zentstein. Um 1700 wurde er anstelle einer eingegangenen alten Martersäule neu errichtet. Von diesem neuen Zentstein wird gesagt: Allwo die Malefizpersonen der Zentherrschaft Weismain jedesmal ausgeliefert wurden (Archiv Ebneth: Centsachen Tom I, unfoliert). Das Wort Zentstein ist als Klammerform aus Zent(Auslieferung)-stein zu verstehen.
Zusammenfassend kann zu Beispiel III folgendes festgehalten werden:
Die bildhauerische Gestaltung in gotischer Formgebung, der Standort des Steines am alten Kriegsackerweg und bei den Kriegsäckern und die eingerillte Turnierlanze neben dem Sockelbogenkreuz sprechen dafür, daß man den Stein mit dem Totschlag an Fritz Marschalk zu Ebneth kurz vor 1404 in Zusammenhang bringen darf. Der Kreuzstein am Kriegsackerweg, einem tiefen Hohlweg, der über die Stadtfichte, Kalte Staude nach Wildenberg führt, kann daher mit großer Wahrscheinlichkeit als Sühnestein angesehen werden. (Müller 1980)

Kreuzstein b. Burgkunstadt (OBF.). Er bewahrt noch den alten Charakter des Menhir. Die Lanze neben dem Kreuz ist das Zeichen für eine Jagdgrenze. Der Stein dürfte dem 11.Jahrhundert angehören. (Wittmann 1933)

   56. (siehe Tafel). Schöner, großer 2m hoher Stein bei Burgkunstadt (Lichtenfels) an einem Kreuzweg unmittelbar nördlich hinter dem Ort. Kreuz auf Bogen und Sauspeer in den Linien vertieft. (Rottler 1920)

Sage: Es soll ein Grabstein für schwedische Söldner sein.

Quellen und Literatur:
Rottler - Kreuzsteine und Steinkreuze vorzüglich im Bezirke des Landbauamtes Bamberg, in: Deutsche Gaue, 21.Bd., 1920, S.62, Nr.56
Wittmann, Leonhard - Die Flurdenkmäler des ehemaligen Reichsstadtgebietes Nürnberg, I. Teil: Der Ursprung des Steinkultes, 1933, Abb.11
Hofmann, Dr. Michel - Das Kreuz über dem Halbkreisbogen, in: Fränkische Blätter, 10.Jg., 1958, Nr.8, S.30-32
Appeltshauser, H. / Leistner, A. / Reiter, R. - Steinkreuze und Kreuzsteine im Umkreis von Coburg, 1981, S.55 m.Abb.28
Müller, Johann Baptist - Sühnegerichtsbarkeit im Hochstift Bamberg, aufgezeichnet an 3 Beispielen, in: Geschichte am Obermain Nr.13, 1981/82, S.60-62 zugleich: Das Kleindenkmal, 9.Jg., 1985, Nr.3
Streng, Ulrich - Wanderführer zu den Kreuzsteinen im Landkreis Lichtenfels, 1987, S.27, Nr.8, zugleich: Das Kleindenkmal, 13.Jg. 1989, Nr.2



Burgkunstadt (II)
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seitliche Ansicht

Rückseite

Größe / Material: 180:55:35 / Sandstein

Geschichte: Stark beschädigter Bildstock, wohl aus dem 16.Jh. Einfacher vierkantiger Sockel 50x42x38cm, Aufsatz mit vier Reliefs, vorne Kreuzgruppe. Rückseite: Christus auf Rundbogen, die Figuren an den Schmalseiten ziemlich verwittert; links: Jesus mit Schaf als "guter Hirte" erkennbar. Auf dem stichbogigen Dach, Steinkreuzaufsatz, stark beschädigt.

Sage:

Quellen und Literatur:



Burgkunstadt (III)


die andere Seite

Abbildung bei
Streng (1987)

Abbildung bei
Müller (1964)

GPS: N 50° 8,058', O 11° 14,558'

Standort: Am Feldweg nach Strößendorf auf der linken Mainseite, bei der alten Mainbrücke.

Größe / Material: 100:85:20 / Sandstein

Geschichte: Benennung: "alter Leichtstein", "Leichenstein". Stark eingesunkener Kreuzstein mit vertieftem lat. Kreuz, auf der Rückseite mehrere Wetzrillen und Näpfchen.

Von Burgkunstadt über die Mainbrücke rachts am Feldweg nach Strössendorf. Der Stein wird bereits 1593 als "alter Leichtstein" genannt. Er bildet die Grenze der Gemarkung von Burgkunstadt, Altenkunstadt und Strössendorf. Wahrscheinlich dürfte er noch in die erste Hälfte des 13. Jh. zurückreichen, als die Gemarkung Burgkunstadt aus der Großmark Altenkunstadt ausgegliedert wurde.
1604 wird der Stein nochmals genannt, als am 23.7. die 3 Söhne des Weidener Hirten Almosen in Burgkunstadt sammelten. Am Abend des Markttages schlug Bartel der Ältere seinen Bruder Georg mit dem Stock. Der junge Bartel führte Georg über die Brücke an einen kleinen Rangen, wo ein "Leichtstein" steht. Hier verstarb der Geschlagene. Der Stein ist also nachweislich 400 Jahre, möglicherweise 700 Jahre alt. (Stein 1987)

Drei Söhne des Weidener Hirten besuchten zum 23. Juli 1604 den Markt in Burgkunstadt, um Almosen zu sammeln. Am Abend des Markttages schlug Bartel der Ältere seinen Bruder Georg mit dem Stock. Als sie dann heraus zur Mainbrücke gingen, fiel dem älteren Bartel das "Fraischliche" (= sein Vergehen) wieder ein, wie es wörtlich heißt, und er tloh. Der jüngere Bartel führte Georg über die Brücke an einen kleinen Rangen, wo ein Leichstein steht und die Weinberge, Hühnerberg genannt, angehen. Hier verstarb der Geschlagene. [...]
Leichsteine als die Punkte anzusehen, bis zu welchen die Gesamteinwohnerschaft dem "ehrlichen" Toten das Geleit gab, während vom Stein ab nur mehr Verwandte und Freunde den Sarg begleiteten, scheint mir schon aus sprachlichen Gründen nicht zutreffend. Leich(e), Leicht im Sinne von Beerdigung ist eine späte Bildung.
Die Etymologie des Wortes "Leieh", aber auch die Gerichtspraxis des 16. Jh. und vor allem die Sage, könnten die Leichsteine als Grabsteine von unglücklichen Menschen wahrscheinlich machen. - Noch eine zweite Deutung darf hier nicht übersehen werden.
Alle bisher angeführten möglichen Erklärungen über Wesen und Aufgabe der Leichsteine sind jüngeren Datums. Auch das Wort "Leichstein" muß im Sprachraum des Ostfränkischen spät entstanden sein; denn die mittelhochdeutschei Stammsilbe "leich" gibt es nicht, wohl aber laech.
Gehen wir von dem althochdeutschen lah, mittelhochdeutsch lach "Grenzmarke in Holz oder Stein", dazu lachus (mlat) "Einhieb in Grenzbaum" aus und erschließen daraus das Adjektiv ahd lahin » mhd laechen » nhd mda le-ichen. Eine Bildung aus: ahd ze demo lahinon steine, mhd ze dem lachenen (laechenen) steine, nhd zu dem Leich(en)stein "zu dem mit dem Grenzzeichen versehenen Stein", wäre sprachlich durchaus möglich. Es fällt nämlich auf, daß in den Urkunden zwar Lachbäume oder durch Verdumpfung des langen mhd a zu o Lochbäume erscheinen - jene mannshohen Baumstümpfe, welche seit Jahrhunderten Grenzsäume von Wald und Weideflächen bezeichnen und die heute noch vereinzelt auf unseren Fluren zu finden sind - doch finden sich m.W. in den Urkunden keine Lachsteine, wohl aber Leichsteine im ehemaligen Hochstift Bamberg und der Markgrafschaft Kulmbach, denen im schwäbischen Sprachraum die La-uch-steine und im bayerischen die Loich-, Loachsteine entsprechen.
Der oder die Lach in der Kreuzesform des römischen X ist uralt und kann nach Jakob Grimm, Rechtsaltertümer II S.73 Anmerk., vorchristlich sein. Aut Steinen erscheint die Lach im Hoch- und Spätmittelalter in den verschiedensten Kreuzformen.
Der Brauch aber, Grenzen durch einen Einhieb in Bäume in Kreuzform oder durch Kreuzdarstellungen auf Steinen festzulegen, wird bis ins 18. Jh. hinein geübt. 1492 heißt es: "do ein kreutz in ein Erlenpaumb gehauen und ein Markstein darpey gesetzt". 1673: ... an einen Stein, so ein Markstein und mit einem Kreuz bezeichnet ist ...
Das Kreuz auf den Steinmalen ist in den meisten Fällen die Lach. Danach wären die Kreuzsteine im allgemeinen Lach- bzw. Leichsteine. Alle aufgeführten Leichsteine, soweit sie noch erhalten geblieben sind, stehen an Altstraßen, an Grenzen von Ortsfluren, Gerichtsbezirken oder bezeichnen Geleitgrenzen.
Der weitaus größte Teil der fast mannshohen, rechteckigen Steinplatten ist älter als meist angenommen. Vereinzelt mögen die Steinmale der großen Rodungsperiode des 12.-14.Jh. anzugehören, in der unsere Kulturlandschaft ihr heutiges Gepräge erhielt.
Der Kreuzstein am Südufer des Mains bei Burgkunstadt wird 1593 alter Leichtstein genannt. Er bildet die Grenze der Gemarkung von Burgkunstadt, welche hier mit einem schmalen Brückenkopfstreifen, dem sog. "Ederlein", auf das Südufer des Mains übergreift, und der Gemeinde von Altenkunstadt und Strössendorf. Wahrscheinlich dürfte er noch in die Zeit zurückreichen, als die Burgkunstadter Gemarkung aus der Großmark Altenkunstadt ausgegliedert wurde, was in der ersten Hälfte des 13.Jh. erfolgt sein wird. Damals wurde die alte Furt über den Main vielleicht zum ersten Male oder nach Zerstörung der Brücke neu überbrückt. (Müller 1964)

Sage:

Quellen und Literatur:
Müller, Johann Baptist - Was sind Leichsteine? - Ein Beitrag zur Kreuzsteinforschung, in: Geschichte am Obermain, Lichtenfels 1964/65, Band 2, S.67-72
Appeltshauser, H. / Leistner, A. / Reiter, R. - Steinkreuze und Kreuzsteine im Umkreis von Coburg, 1981, S.55 m.Abb.25
Streng, Ulrich - Wanderführer zu den Kreuzsteinen im Landkreis Lichtenfels, 1987, S.28, Nr.9, zugleich: Das Kleindenkmal, 13.Jg. 1989, Nr.2
recherchiert und bebildert von Erich Sauer, Strullendorf (Fotos vom 9.08.2009)


Sühnekreuze & Mordsteine